Vorwort
Monica Poalas

Die Väter des abstrakten Expressionismus wollten sich mit ihrer Forderung nach neuen Bildern, wie z.B. Barnett Newman es 1948 Lucian Freud in seinem berühmten Essay „The Sublime is Now“ forderte, bewußt nicht in die Tradition der europäischen Kunstgeschichte einordnen lassen, sondern eine neue Bildsprache ohne kulturellen Hintergrund demonstrieren. Selbst so erfolgreiche Stilrichtungen wie Fauvismus, Surrealismus und Kubismus, die sich alle noch auf die äußere Welt als Referenz bezogen, galten den harten Vertretern des geschichtslosen Bildes als veraltet. Bis heute besetzt die non-figurative Malerei das Primat der Avantgarde, gilt als zeitgemäß, „modern“ und richtungsweisend. Einzelne höchst erfolgreiche zeitgenössische Künstler, die sich dem nicht unterwarfen, werden – hier seien stellvertretend nur Gerhard Richter, Lucian Freud oder Francis Bacon genannt – als berühmte Ausnahmen gesehen.

Die zeitgenössische Malerin Caterina Albert malt im Bewußtsein der großen Traditionen der europäischen Malerei – mit ihr und im gleichen Atemzug gegen sie – aus dem Wissen der Brüche und Gegensätze unserer Gegenwart. Und wie wenig „veraltet“ ihre Sichtweisen sind, erschließt sich dem Betrachter auf den ersten Blick. Die Ambivalenz in der Gestaltung ihrer Bilderräume macht ihre Spannung, ihre Intensität und ihre oft verstörende Ausstrahlung aus.

Dazu kommt eine kraftvolle Lust zum Malen, dieser Drang zum Erzählen, die Freude an der Farbe, die Zitate, die sinnlich körperliche Präsenz ihrer Figuren, der dramatische Aufbau der Bilder, die Phantasien und Träume evozieren, die meisterhafte Beherrschung von Farbe, Form und Licht: darin liegt eine besondere Qualität, die eben nicht nur eine malerische sondern eine gedankliche, inhaltliche, eine ikonographische ist.

Nur vordergründig ist Caterina Albert den Kategorien der figurativen Malerei verhaftet. Ihre Bilder sind exemplarisch dafür, daß figurative Malerei nicht naturalistisch erstarrt und damit antiquiert sein muß, sondern im besten Sinne zeitgenössisch sein kann: die eigene Zeit im Focus und mit ihr im aufmerksamen Diskurs. Sie zeigt sich damit als Wegbereiterin für die Möglichkeiten einer aufregenden Weiterentwicklung der figurativen Malerei in unserer Zeit.

Dr. Monica Poalas
studierte Kunstgeschichte, Theaterwissenschaften und promovierte in Neuerer Geschichte. Sie baute 15 Jahre lang die Sammlung internationaler zeitgenössischer Kunst des Europäischen Patentamts in München, Den Haag, Berlin und Wien auf und zeichnete verantwortlich für zahlreiche Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Heute lebt und arbeitet sie in München als freie Autorin und Kuratorin.