Das Projekt

EIN KIND IM VERSTECK

Bilderraum nach Thomas Bernhards Ein Kind im Kunstraum Klosterkirche Traunstein
Ludwigstr. 10, 83278 Traunstein – 14.09. 2012– 14.10.2012

 

Im Jahr 1982, vor genau 30 Jahren, erschien als letzter Teil seiner Autobiographie Thomas Bernhards Ein Kind. Es ist ein großes literarisch-therapeutisches Lebensbuch und liefert den Schlüssel zu seinem Werk. Er beschreibt darin seine frühe Kindheit in Traunstein, die eine einzige Abfolge von fürchterlichen Demütigungen, Angst und tiefen Verletzungen war. Aus der Perspektive eines Erwachsenen schreibt er über erschrockene Neugier, Fremdsein, Ausgegrenzt Sein und gleichzeitig enger Nähe zu seinem geliebten Großvater, einem erfolglosen Schriftsteller, der ein Leben lang um sein literarisches Schaffen rang. Er ist der Archetyp all der der elitär verschrobenen Bernhardschen Geistesmenschen, die Bernhards Werke später so reizvoll bevölkern sollten.

Im Bernhardschen Rhythmus wiederholt er eindringlich mit seinem Medium, der Sprache, sein genaues ­HIN-SEHEN. Ich las dieses Buch anläßlich eines Aufenthaltes in Traunstein und war sofort fasziniert, weil diese unablässige Sucht, Menschen genau zu sehen und zu erkennen, das ist, was mich in meiner Arbeit seit jeher bewegt. Dabei versuche ich, Fluchten ins persönliche Befinden auszuschließen.

Darüber hinaus beziehe ich meine malerische Arbeit seit einiger Zeit auf das Thema „Innozenz“. Der Übergang vom Kind in die Erwachsenenwelt ist ein Zeitraum der menschlichen Entwicklung, der mich besonders reizt. Und eben darin trifft sich mein Anliegen mit der Zeitspanne des Heranwachsenden, die Thomas Bernhard in Ein Kind beschreibt. Die Unschuld scheint zu Ende, die Ahnung schlägt um in Wissen, neue Lebens-Möglichkeiten entstehen. Ich stelle meine Figuren ohne Beurteilung in den Bilderraum. Dem Betrachter wird überlassen, die offenen Verstecke in den Bildern zu sehen. Daher beschloß ich, in Traunstein ein Bilderprojekt zu diesem Buch zu entwickeln.

Dieser Bilderraum wird in dem Kunstraum Klosterkirche in Traunstein im Rahmen der ARTS Akzente zu sehen sein. Die Ausstellung wird aus etwa 60 teils großformatigen Ölbildern und 50 Zeichnungen bestehen.

Irmin Schmid von der Gruppe „Can“, die 2003 den Musikpreis ECHO für ihr Lebenswerk bekam, wird für die Ausstellung eine Musik komponieren, wie schon seinerzeit mit großem Erfolg für die Ausstellung „Palais d´amour“ im Kunstforum des Lenbachhauses.
Das Thema meiner Arbeiten zu Ein Kind im offenen Versteck beschäftigt mich schon seit geraumer Zeit. Diese Bilder zeige ich als Vorläufer zu den jetzt im Entstehungsprozess befindlichen neuen Arbeiten.

Gleichzeitig stelle ich ab April 2012 die neu entstandenen Bilder monatlich ins Netz in den Architektur-Plan des Kirchenraumes, als work in progress für den interessierten Betrachter. Dieser kann den Entstehungsprozess daher fortlaufend begleiten.

Nach den Bilderrräumen Palais d´amour im Kunstforum der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, der Installation 10 Behauptungen im Münchner Marstall, der Bildinstallation XENOI im Europäischen Patentamt München und den Flußbilder auf dem Arte Kunstschiff in Würzburg ist die Ausstellung in Traunstein eine konsequente Fortsetzung meiner Projekte in Folge. Alle beschäftigen sich mit dem Thema der Ausgrenzung, der Vereinsamung, des Fremden, den zentralen Problemen des Menschen in der heutigen Welt.

Caterina Albert, Frühjahr 2012